Nationalparks im Süden von Patagonien, Chile/Argentinien

Als Patagonien bezeichnet man fast die gesamte südliche Hälfte des südamerikanischen Kontinents. In diesem Reisebericht beziehen wir uns nur auf unsere Reise von Punta Arenas nach El Chalten, die uns in die riesigen (und berühmtesten) Nationalparks Torres del Paine und Los Glaciares führte. Der Rest von Patagonien folgt in weiteren Artikeln.

Von Punta Arenas nach Puerto Natales

Vom Winde verweht: So können wir unsere letzten Tage zwischen Punta Arenas und Puerto Natales zusammenfassen. Oder „Feuerland 2.0“. Die Landschaft hat sich seit der Insel Feuerland nicht verändert, und der Wind weht immer noch extrem stark, aus allen Richtungen außer der unseren 😣 Zum Glück hatten wir schöne Landschaften und einige unerwartete Zuschauer (Flamingos, Nandus und ein Stinktier). Wir können es kaum erwarten, in die Berge zu kommen, um vom Wind geschützt zu sein!

Torres del Paine

In Puerto Natales kann man endlich die Berge in der Ferne sehen, nur noch eine Tagesreise entfernt, bevor wir den Nationalpark Torres del Paine, den Höhepunkt dieser Region erreichen. Auf dem Weg dorthin kommen wir an der Cueva del Milodon vorbei, einem kleinen Naturpark mit einer riesigen prähistorischen Höhle und zwei etwas kleineren Höhlen. Wir machen den kurzen Spaziergang zur großen Höhle und werden auch die zweitgrößte Höhle erforschen. Am Ende klettern wir noch auf den Aussichtspunkt auf dem Dach der großen Höhle (endlich ein paar Höhenmeter in den Beinen!): Der Blick über das ganze Tal bis nach Puerto Natales lohnt sich!

Nach einer ruhigen Nacht in unserem Zelt neben einem Wasserfall radeln wir die letzten Kilometer bis nach Torres del Paine. Der Weg dorthin ist bereits spektakulär: Dieser Tag im Nationalpark wird unglaublich sein! Wir kommen um 11 Uhr morgens am Eingang des Parks an (später als geplant, aber wir haben die steilen Hügel bis zum Eingang und den Bus voll Kanadier, die alle auf dem Aussichtspunkt ein Foto mit uns machen wollten, nicht miteinberechnet…). Nachdem wir den etzas gesalzene Eintritt (42’000 CLP ~ 49 EUR für uns beide) bezahlt haben, durchqueren wir in aller Ruhe den Süden des Parks zwischen Bergen, Flüssen und kristallklaren Seen. Wir kommen der berühmten Bergkette immer näher, und gegen Mittag haben wir endlich eine vollständige Sicht. Zur Mittagspause lassen wir uns auf einer kleinen Halbinsel des Lago Pehoé nieder, vor uns das Zentralmassiv der Torres del Paine. Der unglaublich blaue See hat keine einzige Welle und reflektiert wunderbar die umliegenden Berge. Wir genießen diesen einzigartigen Moment, von der übrigen Welt abgeschnitten nur zwischen See und Bergen.

Nach dem Picknick ziehen wir die Laufschuhe an, wir wollen das Ganze von oben sehen. Wir gehen in Richtung des Mirador Condor, eine kleine, schöne Wanderung, die mit 1 Stunde Fußmarsch angeschrieben wurde. Am Gipfel werden wir nicht enttäuscht, es erwartet uns ein spektakulärer Blick auf die vielen Seen des Parks, dahinter die Berge und Gletscher. Wir trödeln nicht, unser Programm ist immer noch ziemlich voll. Wir steigen im Laufschritt wieder ab und radeln zum nächsten Aussichtspunkt. Diesmal haben wir kaum Höhenmeter zu bewältigen, dafür umso mehr Touristen auf der Strecke. Aber der Ausblick lässt uns die Menschen um uns herum vergessen, wir haben nur noch Augen für die Gipfel des nahe gelegenen Zentralmassivs, die Gletscher und das Spiegelbild im glasklaren Wasser. Auf dem Weg zurück zu unseren Fahrrädern kommen wir an einem Wasserfall vorbei, aber wir bleiben nicht lange. Wir müssen spätestens um 20 Uhr auf dem Campingplatz einchecken, und wir haben noch 30 km vor uns, wir müssen uns beeilen! Auf diesen letzten Kilometern haben wir ziemlich gelitten, es ging unaufhörlich auf und ab, aber am Ende kamen wir gerade rechtzeitig um 19.45 Uhr an, Glück gehabt! Wir haben uns ein Bier zum Sonnenuntergang verdient, Prost!

Am 2. Tag im Nationalpark tauschen wir unsere Fahrräder endgültig gegen die Laufschuhe, wir wandern zum Aussichtspunkt „Base de las Torres“, um die bekannteste Aussicht auf den Nationalpark, den See mit den 3 Felstürmen dahinter, zu genießen. Die Wanderkarte und die Parkranger sagten uns, dass wir 8 Stunden für 10 km und etwa 1000 m Höhenunterschied hin und zurück benötigen werden. Das scheint uns ziemlich viel, aber wir werden sehen. Die ersten Kilometer in der Ebene laden uns ein, gemütlich dahin zu joggen und uns vor dem ersten Anstieg aufzuwärmen. Wir sehen schnell, dass wir an der Spitze nicht allein sein werden: Wir überholen ganze Kolonnen von Touristen aller Art, von Instagrammern, die wie für eine Modenschau angezogen sind und das Telefon die ganze Zeit in der Hand halten, bis zu dem alten asiatischen Paar, das im Tempo einer Schildkröte vorankommt; ist alles dabei. Die meisten Menschen hier waren noch nie in den Bergen, die 8-stündige Zeitangabe leuchtet uns jetzt ein. Aber wir kümmern uns nicht weiter darum, wir gehen in unserem eigenen Tempo voran. Nach 300 m Aufstieg erwartet uns eine schöne Überraschung: Wir erreichen den Paso de los Vientos. Vor uns öffnet sich ein langes und enges Tal mit einem kleinen Fluss, dem wir auf den nächsten Kilometern folgen werden. Hinter uns ein Panoramablick auf den Campingplatz, die Seen und einen großen Teil des Nationalparks. Die nächsten flachen Kilometer entlang des Flusses vergehen schnell und ohne große Anstrengung, bis wir vor einer Art Mauer stehen: eine riesige Moräne aus Steinen und Geröll, die wir auf dem letzten Kilometer überwinden müssen. Wir sind schon ziemlich Müde, aber oben angekommen, sind wir im Staunen: Auch wenn sich die Sonne hinter Wolken versteckt und die Spitze der Türme in Nebel gehüllt ist, ist es noch schöner als das, was wir auf den Bildern gesehen haben! Dennoch bleiben wit nicht lange, es ist ziemlich kalt. Wir ziehen es vor, unser Picknick weiter unten im Tal zu essen. Wir beginnen die sehr rutschige Abfahrt in den Geröllhalden und landen mehr als einmal auf dem Hintern. Zum Glück machen wir die Reise mit dem Fahrrad und nicht zu Fuß! Um 15.00 Uhr sind wir nach 5.30 Uhr wieder auf dem Campingplatz, also weit unter 8 Stunden. Aber wir sind doch ziemlich müde, wir machen ein kleines Nickerchen in der Sonne, die wieder zurückgekehrt ist, und letztendlich verschieben wir die Abfahrt auf den nächsten Tag und trinken stattdessen ein Bier auf der Terrasse. Das ist das Schöne im Leben eines Reisenden, ohne Zeitplan nach seinen Wünschen zu leben!

Von Torres del Paine bis El Calafate

Am nächsten Tag reisen wir dann tatsächlich ab, auch weil das Wetter nicht sehr gut ist und uns nicht dazu einlädt, länger zu bleiben. Alle Landschaften sind von Wolken verdeckt, wir sehen weder Berge noch Seen, während wir in die Pedale treten. Wir machen eine Picknickpause an einem Aussichtspunkt mit einem Unterstand, aber ohne etwas zu sehen. Wir sind durchnässt, es ist windig und zittern vor Kälte. Wir haben keine Lust weiterzufahren, aber es ist noch kälter, wenn wir stillsitzen. Unsere Motivation wird hart auf die Probe gestellt. Wir beschließen, trotzdem weiterzufahren. Etwas später hört es auf zu regnen, aber es ist immer noch kalt. Nach 60 km erreichen wir Cerro Castillo, das Grenzdorf in Chile zu Argentinien. Wir halten im einzigen Café des Dorfes an, um uns etwas aufzuwärmen, und beschließen schließlich, über Nacht im Dorf zu bleiben. Wir wollen das Zelt nicht im Nirgendwo aufstellen, wir werden versuchen, einen warmen Platz im Dorf zu finden. Unser erster Versuch zahlt sich sofort aus: Der Busbahnhof verfügt über einen geschlossenen Warteraum mit superbequemen Sofas und einem Holzofen! Kaum, dass wir uns eingerichtet haben, wird die Tür von 3 LKW-Fahrern geöffnet, die sich sofort damit beschäftigen, ein Feuer im Herd zu machen und mit dem Kochen zu beginnen. Wir sehen ihnen dabei zu, wir plaudern ein wenig, aber wir sind zu müde, um selbst etwas zu machen. Am Ende tun wir ihnen leid, oder sie sind einfach nur sehr nett: Sie bieten uns Kaffee und Kekse an, während sie kochen. Und als sie mit dem Kochen fertig sind, bitten sie uns, unsere Teller und unser Besteck zu nehmen, und mit ihnen zu essen! Es gab sehr gutes Fleisch, eine leicht gewürzte Zwiebelsauce, Reis und Brot. Was für ein Genuss, und als sie gehen, überlassen sie uns sogar den Rest ihrer Kekse als Dessert! Wir brauchen nur unsere Schlafsäcke auszupacken und uns in die Sofas zu kuscheln, dann schlafen wir auch schon ein!

Am nächsten Tag überqueren wir die Grenze und kehren nach Argentinien zurück. Auf der argentinischen Seite redet Matthieu mit einem der Zollbeamten, während Katrin in der Schlange zur Passkontrolle steht. Er bringt uns einen Sack Äpfel und ein Stück selbstgemachten Müsliriegel und meint, dass wir als Radfahrer viel Vitamine und Energie brauchen. Anscheinend tun wir den Leuten in diesen Tagen wirklich leid! Es war übrigens der beste Müsliriegel, den wir je in unserem Leben gekostet haben! Wir setzen unseren Weg nach Norden zwischen Feldern, Schafen und Guanacos fort. Am Abend finden wir Unterschlupf in einer verlassenen Polizeistation, wo wir die Schriftzüge und Zeichnungen anderer Reisender, die dort Zuflucht gefunden haben, an den Wänden bewundern.

Am dritten Tag ist unser Ziel El Calafate, aber der Wind ist so stark, dass wir nicht so richtig glauben, dass wir es schaffen werden. Als wir bereits 80 km zurückgelegt haben, sind wir am Ende unserer Kräfte: Die letzten 30 km versuchen wir per Anhalter weiterzukommen. Wir müssen nicht sehr lange warten (kaum 15 Minuten), bis ein Paar Argentinier in einem Pick Up anhält. Wir laden unsere Fahrräder hinten auf und wärmen uns innen auf. Unterwegs kommen wir an einem Motorradfahrer vorbei, der ein technisches Problem hat. Unsere Retter setzen uns am Stadtrand von El Calafate ab, um zurückzufahren und den Mann mit dem Motorrad zu holen. Wo in der Welt können wir solche Freundlichkeit gegenüber Fremden finden? Das war unser Glück des Tages, zusammen mit einer schönen Abfahrt mit Blick auf den Lago Argentino früher am Tag und einem Guanaco-Burger am Abend!

Perito Moreno

70 km von El Calafate entfernt befindet sich dieser bekannte Gletscher, den wir in 2 Tagen Radfahren leicht besuchen können. Was für eine beeindruckende Menge an Eis! Wir haben davon gehört, Bilder gesehen, wussten, was uns erwartet. Aber vor Ort ist es immer noch anders. Diese 70 m hohen Eistürme zu sehen, ständig das Eis knacken zu hören, von Zeit zu Zeit Eisblöcke in den See fallen zu sehen – das ist einfach beeindruckend.
Aber das ist nicht das Einzige, was es hier in der Gegend von El Calafate zu sehen gibt. Der Lago Argentino funkelt in 1.000 verschiedenen Blautönen, der Frühling schleicht sich mit Blumen in allen Farben in die Steppe ein. Die Natur bietet uns jeden Tag ein neues Schauspiel, an dem wir uns nicht satt sehen können!

Wir machten uns erneut auf den Weg zu 3 Tagen Radfahren in Richtung El Chalten. Leider haben wir immer noch genauso viel Wind, wir kommen nur mit 10km/h voran und die Tage sind lang und ermüdend. Wir sehen den Fitz Roy, diesen ikonischen Berg des Nationalparks Los Glaciares jeden Tag, aber ohne wirklich näher zu kommen. Zumindest finden wir immer Unterschlüpfe für die Nacht, auch wenn einige davon etwas unheimlich sind (habt ihr schon einmal einen Meter entfernt von Schafsfüßen und anderen Knochen in derselben Hütte geschlafen? Wir schon…).

El Chalten

Wir sind bereits ziemlich weit geradelt, es ist an der Zeit, uns die Beine auch anders zu vertreten. Wir halten für 3 Tage Wandern in El Chalten (ja, wir machen eine Radtour, aber mit dem schönen Wetter dieser Woche und den schneebedeckten Bergen um uns herum konnten wir dem Ruf der Berge nicht widerstehen 😉). Wir konnten den Fitz Roy von allen Seiten betrachten (ein eher seltenes Phänomen, da er sich anscheinend oft zwischen den Wolken versteckt), aber auch den Cerro Torre und viele andere schneebedeckte Gipfel, die vielen Seen und Gletscher um diese Gipfel herum… Wir können nicht mehr dazu sagen, einfach nur in aller Stille staunen und die unendliche Schönheit der Natur betrachten.

 

Zu den Fotos:

Nationalparks

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