Feuerland, Argentinien/Chile

Unsere Radreise Richtung Norden startete auf der großen Insel vom Feuerland, ganz im Süden Amerikas. Wir landeten am 8. November 2019 in Ushuaia, auf der argentinischen Seite dieser Insel. Der Temperaturschock war riesig: in Buenos Aires fuhren wir in T-Shirts und Shorts herum, in Ushuaia war die Temperatur um 0 Grad. Um die Fahrräder wieder zusammenzubauen, machten wir es uns direkt im kleinen Flughafen gemütlich und verbrachten dort schließlich fast den ganzen Tag (wir hatten einige kleine Probleme mit den Fahrrädern zu beheben). Als wir schließlich doch die Nase hinaus steckten, waren wir in fast alle Kleider, die wir hatten, eingepackt (nur der Badeanzug blieb in der Tasche 😉 ).

Ushuaia

Als wir in der Stadt Ushuaia ankamen, flüchteten wir sofort in ein Restaurant, um einen guten Burger zu essen. Wir sind zwar noch nicht viel in die Pedale getreten, aber wir haben die Nacht am Flughafen verbracht und den Tag mit dem Zusammenbauen der Fahrräder. Die Burger haben wir uns also verdient, zumindest in unseren Augen 😉 Nachdem wir uns in der Jugendherberge eingerichtet hatten, machten wir einen Spaziergang durch die Stadt – und wir waren begeistert! Das Zentrum von Ushuaia sieht ein bisschen aus wie ein Skiort mit Holzhäusern und Sportgeschäften an jeder Ecke. Am Hafen sieht man die Boote der Antarktis-Expeditionen, die auf Passagiere warten. Die Wolken an den Berghängen verbargen uns die Sicht, aber sie gaben uns ein gutes Gefühl vom Ende der Welt. Und als es während unseres Spaziergangs zu schneien begann, war die Szene perfekt: Wir fühlten uns der Antarktis nahe, vielleicht am nächsten, was wir je in unserem Leben sein werden.

Am nächsten Tag die grosse Überraschung: Das Wetter ist toll und die Temperaturen sind um fast 20 Grad gestiegen! Die Einheimischen bestätigen uns, dass es für sie sommerliche Temperaturen sind. Wir nutzen die Gelegenheit zu einer Mountainbike-/Wanderungstour entlang des Beagles-Kanals. Wir werden mit herrlichen Landschaften verwöhnt, wie wir uns für unseren Tag in Ushuaia nicht besser vorstellen konnten!

Die argentinische Seite der Insel

Am nächsten Tag radeln wir los nach Norden, immer noch begleitet von der Sonne. Am Ortsausgang von Ushuaia treffen wir auf eine argentinische Radfahrerin, die uns auf den ersten Kilometern begleitet. Wir genießen die Aussicht auf verschneite Berge und Täler ohne jede menschliche Spur. Nach ca. 30 km halten wir an, um eines der Täler näher zu erkunden und wandern zur Laguna Esmeralda. Am Ende war es eher ein Hindernisparcours durch Schlammteiche, aber wir liebten trotzdem die Landschaft. Zurück auf unseren Rädern, beginnen wir unseren ersten Bergpass in den Anden, den Paso Garibaldi. Zum Glück sind die Anden hier noch nicht sehr hoch, wir sind schnell oben angekommen. Und hier die nächste Überraschung: Wir haben nicht nur eine schöne Abfahrt vor uns, um den Tag zu beenden, sondern auf der anderen Seite des Bergpasses versteckt sich ein großer See. Am Rande dieses Sees finden wir einen tollen Platz, um unser Zelt aufzustellen. Nur ein paar Biber, um uns Gesellschaft zu leisten 🙂

Am nächsten Tag geht unsere Reise zwischen Bergen und Seen weiter, bevor wir uns in die Steppe begeben. Am Anfang sind wir glücklich, als wir die ersten Guanacos (eine Art Lamas) zu Sicht bekommen, und wir geniessen die Leere (auf 200 oder gar 300 km gibt es kein einziges Dorf). Doch bald merken wir, dass der Wind immer gegen uns weht, egal in welche Richtung wir radeln. Wir hoffen auf eine Änderung, indem wir auf die chilenische Seite der Insel wechseln!

Die chilenische Seite der Insel

Nachdem wir die Grenze von Bella Vista in der Mitte der Insel überquert haben, verstehen wir schnell, dass sich in den nächsten Tagen nichts ändern wird: immer noch nichts, nur Guanacos und Schafe, ab und zu eine Farm und der Wind immer noch gegen uns. Leider kommt noch der Regen dazu. Aber als wir völlig durchnässt an die Tür einer Estancia (Bauernhöfe auf der Insel Feuerland) klopften, um für die Nacht in einer Scheune zu übernachten, sehen wir, wie gastfreundlich die Menschen hier ist: Wir werden in einer eigenen Hütte untergebracht (oft für Leute verwendet, die auf den Bauernhöfen arbeiten), mit Betten, einem Ofen zum Feuermachen und Kochen, einem Badezimmer – alles, was wir nach einem anstrengenden Tag auf dem Fahrrad brauchen!

Nach 2 Tagen im Zentrum der Insel sehen wir endlich die Straße von Magellan am Horizont. Wir wissen, dass wir nur noch an der Küste entlang fahren müssen, bevor wir mit der Fähre nach Punta Arenas fahren können, die Rückkehr in die Zivilisation ist nicht mehr weit. Aber wir haben die Zeit unterschätzt, die wir entlang der Küste bis nach Porvenir, dem Hafen, wo die Fähre abfährt, benötigen: Der Gegenwind ließ uns selten 10 km/h überschreiten, auch nicht bergab, und die Straße in schlechtem Zustand tat ihr Übriges. Wir kamen nur 15 Minuten vor Abfahrt an der Fähre an!

Was uns gefiel:

  • Die Landschaft und die Straßen im Süden der Insel
  • Die Guanacos
  • Die Gastfreundschaft der Estancias
  • Die Stille

Zu den Fotos:

Feuerland

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