Die Route der Wasserfälle, Ecuador

Km 14 498

Wir hatten in den Reiseführern einen Ort namens die Route der Wasserfälle gesehen. Der Name hat uns schon zum Träumen gebracht, aber es liegt eigentlich nicht wirklich auf unserer Route. Aber wir wollen diese Route nicht verpassen, also beschließen wir, mit dem Fahrrad hinzufahren und mit dem Bus zurückzukommen!

Von Riobamba aus radeln wir also nach Baños, der Stadt, in der diese Route beginnt. Wir nehmen eine Straße etwas abseits der Panamericana, wir können also gemütlich in die Pedale treten, ohne ständig die Abgase der Buse und Lastwagen einzuatmen. Nur kleine Regenschauer verderben unser Glück. Wenige Kilometer nach Baños erreichen wir den ersten Wasserfall, die Cascada Agoyán. Als es wieder zu regnen beginnt, nutzen wir einen kleinen Unterstand mit Blick auf den Wasserfall, um eine süße Pause einzulegen. Ein paar Kilometer weiter können wir bereits die Cascada El Manto de la Novia sehen. Für die Fahrräder gibt es kleine Wege, um die vielen Tunnels auf der Straße zu umgehen. Diese Wege bieten uns schöne Ausblicke auf die Wasserfälle und das Tal des Río Pastaza, in der Stille, weit weg von den Autos. Der Tag neigt sich bereits dem Ende zu und die Sonne kommt endlich hervor. Es ist fast zu schön um wahr zu sein! Wir kommen noch an der Cascada San Pedro vorbei, dann erreichen wir Río Verde, ein kleines Dorf auf halber Strecke der Route der Wasserfälle. Hier ist auch der Höhepunkt, der Pailón del Diablo. Da wir noch etwas Zeit bis zum Sonnenuntergang haben, machen wir den kurzen Spaziergang zum Fuß des Wasserfalls. Schon von weitem hören wir das Rauschen des Wassers, das auf einen beeindruckenden Wasserfall schließen lässt. Dann befinden wir uns auf halber Höhe des Wasserfalls, unter uns der Pailón, der Teufelskessel. Der Wasserfall fällt in ein natürliches Becken, der Dampf und die Wassertropfen vermitteln den Eindruck eines Kessels über dem Feuer, deswegen der Name. Zunächst folgen wir dem Pfad unter den Felsen hindurch bis zum oberen Ende des Wasserfalls. Dann führen ein paar Stufen durch einen feineren Strahl des Wasserfalls hinauf zur Rückseite. Wir setzen die Kapuzen unserer Regenjacken auf und laufen los. Wir befinden uns in einer kleinen, dunklen Höhle im Felsen, während der Wasserfall mit seiner ganzen Kraft vor uns herabstürzt. Es ist beeindruckend, aber wir bleiben nicht lange, es ist viel zu nass hier! Wir gehen zurück und steigen eine steile Treppe hinunter, um dem Pailón näher zu kommen. Die Wassertropfen fliegen uns ins Gesicht, was für ein Naturschauspiel! Wir gehen noch über eine kleine Hängebrücke, um den Wasserfall aus der Ferne zu bewundern ohne dabei nass zu werden, dann wandern wir wieder zurück zu unseren Rädern und suchen uns einen Platz zum Schlafen. Da es schon spät ist und die Sonne schon untergeht, können wir nicht mehr weit kommen. Auf Anraten der Einheimischen stellen wir unser Zelt an der Seite des Fußball-/Parkplatzes (wir sehen Tore und Tribünen, aber es sieht so aus, als ob der Platz eher als Parkplatz genutzt wird) in einem überdachten Bereich auf. Es gibt sogar Steckdosen und einen Wasserhahn. Der einzige Nachteil ist das superhelle Licht. Trotz unserer Lage mitten im Dorf und des Lichts schlafen wir aber wie Babys!

Am nächsten Morgen regnet es. Es war eine gute Idee, den Pailón del Diablo am Vortag in der Sonne zu besuchen. Wir beginnen den Tag in Regengewand, aber als wir zum nächsten Wasserfall kommen, hört es zum Glück auf zu regnen. Wir stellen unsere Fahrräder am Eingang ab und spazieren dann zur Cascada El Encanto del Rocío Machay. Wir können sehen, dass wir uns dem Amazonaswald nähern, die Vegetation ist sehr dicht geworden. Es gibt viele Blumen und exotische Pflanzen, dann führt uns eine steile Treppe über eine Felswand hinunter. Wir überqueren eine Hängebrücke und stehen dann ganz allein vor dem wunderschönen Wasserfall. Wir folgen dem Bach auf einem kleinen Pfad, aber als Kati eine große Stabheuschrecke auf ihrem Oberschenkel entdeckt, kehren wir schnell um. Wir haben beide eine Phobie vor kleinen Tieren! Wir machen noch ein paar Fotos und Videos auf einer anderen Hängebrücke und fragen uns gleichzeitig, wann sie gebaut und wann sie zuletzt in Stand gehalten wurde, und kehren dann zu den Fahrrädern zurück. Wir fahren weiter das Tal des Río Pastaza hinunter, unser Ziel ist die Stadt Puyo am Eingang des Amazonas-Regenwaldes. Aber die großen schwarzen Wolken vor uns bringen uns dazu, unseren Plan zu überdenken. Auf dem Rest der Strecke gibt es nicht allzu viele Wasserfälle. Als wir die ersten diccken Regentropfen spüren, fahren wir ein paar hundert Meter zurück zum Dorf San Francisco. Wir suchen Zuflucht unter dem Dachvorsprung eines kleinen Ladens. Das haben gerade noch Glück gehabt, denn der Himmel öffnet seine Schleusen. Wir nehmen den ersten Bus zurück nach Baños. Wir essen zu Mittag, bis es aufhört zu regnen, dann kaufen wir ein paar Melcochos, die typischen Karamellriegel der Stadt, bevor wir zurück in die Andenhochebene radeln. Diese Route der Wasserfälle war im wahrsten Sinne des Wortes eine nasse Angelegenheit, aber eine schöne Abwechslung zu den Anden, die wir inzwischen schon sehr gut kennen.

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Die Route der Wasserfälle

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